Die Frau in Orange: Was mein Rebranding mir über gute Personal-Branding-Fotos beigebracht hat

Kontakt zu Karina Schuh, Markenfotografin mit Studio in Polch bei Koblenz. Karina Schuh trägt eine orangefarbene Jacke und hält ein orangenes Smartphone in der Hand.

Die Frau in Orange

Was dich in diesem Artikel erwartet:

  • Warum mein erstes Logo 2013 in Türkis entstand und warum es zehn Jahre lang “gut genug” blieb, obwohl es längst nicht mehr zu mir passte
  • Der Satz, den mir andere Menschen beim Netzwerken gesagt haben, bevor ich selbst kapiert habe, was meine Farbe wirklich ist
  • Warum Wiedererkennung nicht zwingend eine Farbe sein muss und woran du sie stattdessen festmachen kannst
  • Was sich bei mir verändert hat, seit ich konsequent in Orange auftrete: in Zahlen
  • Warum eine Kundin aus Osnabrück extra für ein Fotoshooting nach Koblenz gereist ist
  • Meine ehrliche Faustregel, wie oft du deine eigenen Fotos wirklich erneuern solltest

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Stand: September 2026


1. Türkis, New Mexico und ein Logo, das zehn Jahre lang “gut genug” war

Ich dachte immer, eine Markenfarbe wählt man einmal, und dann ist das Thema für immer erledigt. Ein Jahrzehnt und ein komplettes Rebranding später weiß ich: Das war der größte Denkfehler, den ich in meiner Selbstständigkeit hatte.

Neulich bin ich bei einer Veranstaltung gleich mehrfach angesprochen worden: “Du trägst tatsächlich Orange.” Ich musste schmunzeln. Für alle, die mich zu dem Zeitpunkt noch nicht kannten, habe ich mich kurz vorgestellt: Ich bin Karina Schuh, und ich fotografiere nicht einfach Menschen. Ich entwickle mit ihnen Bilder, die sie sichtbar und wiedererkennbar machen. Wie wichtig diese Wiedererkennung ist, erlebe ich seitdem jeden Tag auf LinkedIn. Aber angefangen hat das alles nicht mit einer bewussten Strategie, sondern mit Türkis.

Mein erstes Logo entstand 2013 an der Uni in Alamogordo, New Mexico, zusammen mit meiner ersten Website. Ich hatte gerade mein Fotografie-Studium beendet und machte mich im Mai 2013 selbstständig. Die Farbe, die ich damals wählte: Türkis. Warum genau Türkis? Ehrlich gesagt, weil es mir gefiel. Nicht, weil ich mir überlegt hatte, wie ich gesehen werden möchte.

In den USA fotografierte ich vor allem Familien, Graduations, Geburten und Boudoir. Erst langsam kam die Business-Fotografie dazu. Als wir 2017 zurück nach Deutschland gezogen sind, habe ich mich vollständig auf Business-Fotografie spezialisiert. Ich musste meine Website komplett neu auf Deutsch schreiben. Dabei ist mir etwas aufgefallen, das mein Geschäft bis heute prägt: Ich brauchte immer wieder neue Bilder, die meine eigene Geschichte erzählen. Also kam die Personal-Branding-Fotografie zur Business-Fotografie dazu.

Lies dazu auch gern, wie ich Fotografin wurde.

Das Türkis-Logo blieb trotzdem. Bis 2023 nutzte ich es, erst als Schreibschrift, dann wandelte ich es in Druckschrift um. Und selbst dabei hielt ich zunächst am Türkis fest. Nur unter dem “K” hatte sich still und heimlich schon ein oranger Punkt eingeschlichen. Im Rückblick war das mein Branding, das mir längst etwas sagen wollte, bevor ich selbst zugehört habe.

2. “Du trägst tatsächlich Orange”: der Satz, der alles ins Rollen brachte

2023 habe ich mich entschieden, auf LinkedIn präsenter zu sein und regelmäßig zu posten. Ich habe in dieser Zeit sehr viel darüber gelernt, wie man dort überhaupt sichtbar wird. Und dabei ist etwas passiert, das ich so nicht geplant hatte: Ich präsentierte mich auf meinen Bildern immer wieder in Orange, einfach weil es meine Lieblingsfarbe für Outfits war. Nach einiger Zeit sprachen mich Menschen genau darauf an. Überall, wo ich zum Netzwerken war, kannte man mich als “die Fotografin, die immer in Orange auftritt.”

Das war keine Marketing-Strategie. Das war eine Beobachtung von außen, die lauter war als alles, was ich mir selbst hätte ausdenken können. Und genau das nahm ich zum Anlass, mein Logo komplett auf Orange umzustellen. Nicht, weil ein Berater es mir vorgeschlagen hat. Sondern weil andere Menschen mir gezeigt haben, wer ich in ihrer Wahrnehmung längst war. Wiedererkennung entsteht durch Kontinuität. Das ist keine Meinung, das ist etwas, das ich seitdem jede Woche live miterlebe.

3. Wiedererkennung muss keine Farbe sein

Bei mir ist es Orange, nicht nur im Logo, sondern in der Kleidung und generell in meinem Außenauftritt. Manchmal ist es der Hintergrund eines Fotos. Manchmal ist es nur ein kleines, feines Detail: eine Tasche, eine Handyhülle, Socken, sogar die Fingernägel. Eine visuelle Linie, ein Gefühl, das sich durchzieht.

Aber es muss nicht die Farbe sein. Bei Anne Weller ist es die Stimme. Bei Rhenser ist es der Tetrapak. Beim Hotel Zugbrücke ist es der Ort. Es geht nicht darum, dass jede Marke Orange trägt. Es geht darum, dass irgendetwas konsequent bleibt, egal ob das die Stimme ist, die Farbe, die Verpackung oder der Ort. Genau durch diese Wiedererkennung entsteht schneller Vertrauen. Das gilt für ein Getränkeunternehmen genauso wie für dich als Unternehmer:in oder Personal Brand.

4. Wovor ich mich beim Rebranding wirklich gefürchtet habe

Ganz ehrlich: Sicher war ich mir nicht. Wenn man sich auf eine Farbe festlegt, kann das auch irgendwann mal zu viel werden. Ich hatte durchaus die Sorge, dass Orange auf Dauer zu auffällig, zu laut, zu “viel des Guten” sein könnte.

Bei der Suche nach der neuen Farbe bin ich tatsächlich ziemlich analytisch rangegangen: In Adobe Color habe ich mir zu meinem alten Türkis die Kontrastfarbe anzeigen lassen. Das Ergebnis war Gelb. Gelb hat aber nicht ganz zu mir gepasst, also bin ich bei Orange gelandet, direkt daneben auf dem Farbkreis.

Und selbst als die Entscheidung für Orange feststand, war die nächste Frage nicht leichter: welches Orange eigentlich? Es gibt nicht “das” Orange. Es gibt hunderte Nuancen, und nicht jede davon passt zu meiner Haut, meinem Stil, meinen Bildern.

Dazu kommt noch etwas, das mir erst nach und nach klar geworden ist: Ich arbeite am liebsten mit Kund:innen, die selbst gelb oder rot ticken, also mit Menschen, die Energie, Tempo und Entscheidungsfreude mitbringen. Orange liegt genau dazwischen. Das war am Ende kein Zufall, sondern eine bewusste Erkenntnis: Im Branding geht es nicht nur darum, wie du selbst gesehen werden willst. Es geht vor allem darum, mit deiner Farbe auch die richtigen Kund:innen abzuholen.

Mittlerweile ist das so weit in mir drin, dass ich beim Shoppen erst durchs Schaufenster schaue, bevor ich überhaupt reingehe. Sehe ich nichts Orangefarbenes im Laden, gehe ich gar nicht erst hinein. Das klingt übertrieben. Ist es wahrscheinlich auch. Aber genau das ist der Punkt: Eine Markenfarbe, die wirklich zu dir gehört, hört irgendwann auf, eine Marketing-Entscheidung zu sein. Sie wird Teil davon, wie du durch die Welt gehst.

5. Von 800 auf über 3.000: was sich seitdem verändert hat

Seit 2023 ist mein LinkedIn-Profil von rund 800 auf über 3.000 Follower:innen gewachsen. Das ist keine Zahl, die ich erzähle, um zu beeindrucken, sondern weil sie zeigt, was passiert, wenn eine Bildsprache konsequent wird, statt zufällig zu bleiben. Auf LinkedIn poste ich fast jeden Beitrag mit einem Bild von mir oder mit Bildern meiner Kund:innen. Und in beides fließt inzwischen meine Farbe mit ein.

Ein Beispiel, das mir besonders im Kopf geblieben ist: Eine Kundin aus Osnabrück hat mich seit letztem Jahr immer wieder auf LinkedIn angeschrieben. Irgendwann ist sie tatsächlich von Osnabrück bis nach Koblenz gereist, nur um Personal-Branding-Fotos bei mir machen zu lassen. Nicht, weil es in Osnabrück keine guten Fotograf:innen gäbe. Sondern weil sie über einen längeren Zeitraum immer wieder dieselben Bilder, dieselbe Farbe, dieselbe Wiedererkennung gesehen hat, bis daraus Vertrauen wurde.

2026 wird von mehreren Fotografie- und Branding-Quellen unabhängig voneinander als ein Jahr beschrieben, in dem Personal-Branding-Fotografie noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnt, weil Sichtbarkeit auf Plattformen wie LinkedIn zunehmend über echte, wiedererkennbare Bilder entschieden wird, statt über gestellte Stockfotos.

Quelle: Why 2026 Is The Year to Invest in Personal Branding Photography

Fragen und Antworten von Karina Schuh Markenfotografin für Personal Branding und Unternehmen - hier mit orangefarbener Jacke über der Schulter

6. Warum Orange kein Selbstläufer war (und es teilweise immer noch nicht ist)

Ich will hier nichts schönreden: Der Wechsel zu Orange war kein Shooting-Termin, nach dem plötzlich alles anders war. Von meinem ersten Logo 2013 bis zum vollständigen Rebranding 2023 sind zehn Jahre vergangen. Zehn Jahre, in denen ich Türkis mitgeschleppt habe, obwohl es längst nicht mehr zu dem passte, wer ich als Fotografin geworden war.

Und auch danach war nicht alles sofort rund. Die richtige Nuance zu finden, hat gedauert, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nie wieder daran zweifle. Eine einzelne Farbe als Erkennungszeichen ist ein Werkzeug, kein Zaubertrick. Sie funktioniert nur, wenn sie zu dem passt, was du eigentlich sagen willst. Nicht umgekehrt.

7. Kein einmaliges Shooting, sondern ein Rhythmus

Ich bin bei meinen eigenen Fotos ziemlich kritisch. Sobald sich bei mir etwas verändert, innerlich oder äußerlich, lasse ich neue Fotos machen. Meine neuesten Fotos sind zum Beispiel entstanden, weil ich eine neue Brille und eine neue Frisur bekommen habe. Genauso gilt das, wenn sich etwas an meiner Positionierung ändert: Dann muss sich auch mein Außenauftritt entsprechend anpassen.

Das bedeutet nicht, dass du nach jedem Friseurbesuch ein Fotoshooting brauchst. Es bedeutet, dass ein Personal-Branding-Foto kein Anschaffungsposten ist, den du einmal abhakst. Es ist eher wie eine Website oder ein Lebenslauf: Irgendwann ist er veraltet, auch wenn du ihn nie aktiv verändert hast, weil du selbst dich verändert hast.

Wie das bei mir konkret aussieht, zeigt sich am besten an meiner Freundin Joanna. Wenn ich ein Fotoshooting plane, tausche ich mich generell immer mit ihr aus. Sie ist sehr kreativ und braucht außerdem selbst ständig neue Fotos von sich. Deshalb veranstalten wir die Shootings meistens gemeinsam und fotografieren uns gegenseitig. Vorher tauschen wir Ideen auf Pinterest aus und suchen die passende Garderobe.

Wenn es dann losgeht, hat jede von uns ihre konkreten Vorstellungen im Kopf. Joanna hat meistens ein bestimmtes Bild vor Augen, das wir versuchen nachzustellen. Aber genau hier liegt der Unterschied: Wenn wir versuchen, so ein Referenzbild eins zu eins nachzustellen, wirkt es fast nie so, wie wir es uns gedacht haben. Die besten Bilder entstehen einfach durch unsere eigenen Inspirationen und die Kommunikation während des Shootings. Wir lassen uns von Ideen inspirieren und machen daraus unsere eigenen Bilder, statt sie zu kopieren.

8. Meine Faustregel: Wie oft du wirklich neue Fotos brauchst

Wenn du dich fragst, wann der richtige Zeitpunkt für neue Personal-Branding-Fotos ist, sage ich es so, wie ich es auch für mich selbst handhabe: Es muss nicht. Es kann. Meine Empfehlung liegt bei mindestens alle zwei Jahre, und immer dann, wenn du merkst, dass sich etwas an dir oder deiner Positionierung verändert hat.

Die eigentliche Frage dahinter ist gar nicht “wie oft”, sondern: Wie möchtest du gesehen werden, und wen willst du damit erreichen? Wenn du darauf gerade keine klare Antwort hast, ist das oft schon ein Hinweis, dass ein Update fällig ist.

9. Türkis gegen Orange: Seht selbst

Wenn man beide Bilder nebeneinanderlegt, sieht man nicht nur einen Farbwechsel. Man sieht zwei unterschiedliche Selbstverständnisse als Fotografin: eins, das noch gesucht hat, und eins, das gefunden hat, wonach.

10. Fertig ist das hier eigentlich nie

Auch in diesem Jahr ging die Entwicklung weiter: Seit meiner Zeit in den USA lief meine Website unter karinaschuhphotography.com. 2026 habe ich sie auf karinaschuh.de umgestellt. Kürzer, und ohne das amerikanische Wort “Photography”. Das war kein rein kosmetischer Wechsel. Auch meine Arbeitsweise hat sich verändert, deshalb wollte ich mich nicht länger in erster Linie als Fotografin darstellen, sondern als das, was ich tatsächlich bin: eine strategische Expertin für Markenfotografie.

Ich schaue immer noch durch Schaufenster, bevor ich einen Laden betrete. Ich bin mir bei manchen Orange-Tönen immer noch nicht hundertprozentig sicher. Und ich werde mit ziemlicher Sicherheit in ein, zwei Jahren wieder neue Fotos machen lassen, nicht weil Orange falsch war, sondern weil ich mich weiterentwickle und meine Bilder das zeigen sollen.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis aus zehn Jahren Rebranding: Eine Marke, die zu dir passt, ist nie fertig. Sie wächst mit. Deshalb frage ich dich das, was ich auch schon einem ganzen Raum voller Menschen gefragt habe: Woran erkennt man dich sofort? Ist es eine Farbe? Ein Stil? Eine Haltung? Oder dein Produkt, dein Ort oder einfach du selbst?

Wenn du das für dich einmal in Ruhe durchdenken willst, oder gleich ein neues Personal-Branding-Shooting bei mir in Koblenz oder Polch buchen möchtest: 

Lass uns herausfinden, was möglich ist.

Karina

Logo Karina Schuh – Markenfotografin Koblenz
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