Ich habe mein Gesicht an eine KI verkauft: Was ich für dein nächstes Businessfoto daraus gelernt habe

Karina Schuh Markenfotografin macht den KI-Test und generiert aus einem echten Foto (orangene Jacke) ein Foto von sich (cremefarbenes Outfit)

Das erwartet dich in diesem Artikel:

  • Was passiert, wenn eine Fotografin ihr eigenes Gesicht von einer KI nachbauen lässt
  • Warum 5 Minuten und 2-3 Versuche für mich schon gereicht haben, um eine Entscheidung zu treffen
  • Eine Geschichte einer Content-Creatorin, die zeigt, wie die neue Kennzeichnungspflicht den Alltag schon jetzt verändert
  • Meine Faustregel für Bilder, die ich ab jetzt veröffentliche
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Ein Prompt, eine Neugier

Ab dem 2. August 2026 gilt in der EU die Kennzeichnungspflicht für KI-generierte und stark veränderte Bilder, geregelt in Artikel 50 der EU-KI-Verordnung. Ich habe dazu am Stichtag selbst einen LinkedIn-Post geschrieben, und die Reaktionen haben mir gezeigt: Das Thema beschäftigt gerade wirklich viele.

Ein Geschäftsführer hat mir vor ein paar Monaten noch stolz erzählt, dass er sein Profilbild mit KI erstellt hat. Vor Kurzem hat er mir dann gesagt, dass er die neue Kennzeichnungspflicht eigentlich gut findet – weil sie mein Geschäft in Schwung bringen könnte. Genau in dieser Zeit bin ich über einen Prompt gestolpert, mit dem sich angeblich täuschend echte Portraits erzeugen lassen. Ich wollte einfach wissen: Wie echt sehen diese Bilder heute wirklich aus? Und können sie überhaupt authentisch wirken?

Also habe ich es an mir selbst ausprobiert.

Fünf Minuten, zwei Gesichter

Ich muss zugeben, dass der Aufwand denkbar gering war. Zwei bis drei Versuche, insgesamt keine fünf Minuten. Kein Shooting, kein Konzept, keine Vorbereitung, nur ein Prompt und mein eigenes Gesicht als Referenz.

Zum Vergleich: Wenn ich für eine Kundin fotografiere, sehe ich das Bild, bevor es entsteht. Ich bestimme Komposition, Licht und Setting selbst, das ist mein Job seit über 1.000 fotografierten Personen. Hier hatte ich stattdessen ein Textfeld und einen Button.

[FOTO: Vorher/Nachher-Vergleich – echtes Foto von Karina neben der KI-generierten Version, von Karina selbst auszuwählen]

Was mich gestört hat

Unsicher war ich vorher nicht. Ich war einfach neugierig. Der Moment, der hängen geblieben ist, kam erst beim Ergebnis: Ich habe mein eigenes Gesicht angeschaut und kleine Unterschiede gesehen, die mich gestört haben. Nichts Dramatisches, keine sechste Fingerreihe, keine verzerrte Brille. Nur Kleinigkeiten, die niemand außer mir bemerkt hätte, die für mich aber gereicht haben, um zu wissen: Das bin nicht ich.

Das ist der Punkt, den ich seither nicht mehr loswerde. Ein Foto von dir soll dich zeigen, nicht eine plausible Annäherung an dich.

Ehrlich gesagt: gar nicht so schlecht

Bei aller Kritik will ich nicht übertreiben: Die Bilder waren nicht schlecht. Auf den ersten Blick hätte ich sie fast für echt gehalten, und genau das macht die ganze Diskussion um die Kennzeichnungspflicht auch so berechtigt. Vor ein paar Jahren hätte man KI-Bilder noch an Details erkannt, an denen man heute lange suchen muss.

Genau deshalb hat vor Kurzem auch eine Content-Creatorin mit mir gesprochen: Sie wollte für einen Post den Hintergrund eines professionellen Fotos entfernen und einen neuen einsetzen lassen, hat es sich dann aber anders überlegt – weil sie keine Kennzeichnung auf dem Bild haben wollte. Das ist genau die Verhaltensänderung, die ich meine, wenn ich sage: Diese Regelung nützt Fotografinnen eher, als dass sie schadet.

Was ein echtes Foto wirklich kostet

Fünf Minuten und ein Prompt gegen ein geplantes Fotoshooting, das klingt erst mal wie ein unfairer Vergleich. Ist es auch, aber nicht so, wie man zuerst denkt.

Die fünf Minuten haben mir nur ein Bild gegeben, das täuschend echt aussieht, aber eben nicht echt ist – mit allem, was das seit dem 2. August rechtlich und für mein eigenes Vertrauen bedeutet. Ein echtes Shooting kostet Zeit, weil es sie braucht: für ein Vorgespräch, für die Wahl von Licht und Setting, für den Moment, in dem zwischen zwei Menschen im Raum tatsächlich etwas passiert. Diese Zeit ist der eigentliche Unterschied, nicht die Anzahl der Klicks.

Was dabei oft untergeht: Genau diese Zeit bleibt oft noch Jahre später in Erinnerung, weil ein echtes Shooting etwas Besonderes ist und weil es einfach Spaß macht. Du kannst dich individuell darauf vorbereiten (lies dazu auch diesen Artikel), shoppen gehen, gezielt Accessoires und Garderobe aussuchen. Beim Shooting selbst entsteht eine Atmosphäre, in der kreative Ideen fließen und aus der Zusammenarbeit die schönsten Bilder entstehen. Genau das passiert bei einer KI nicht.

Meine Faustregel

Meine Faustregel danach war einfach: Ich veröffentliche nur Bilder, die echt sind. Bilder, die keine Kennzeichnung brauchen, weil sie keine brauchen müssen.

Das gilt für mein eigenes Gesicht genauso wie für das, was ich meinen Kundinnen empfehle. Für ein Moodboard, um eine Bildidee vorab zu zeigen, bevor wir überhaupt die Kamera in die Hand nehmen, nutze ich KI nach wie vor gerne. Für mein Gesicht, für meine Marke, nicht mehr.

Mittlerweile ist daraus ein fester Teil meiner Arbeit geworden: Ich hinterlege in jedes Bild gezielt echte Metadaten, auf Wunsch sogar mit den eigenen Keywords meiner Kundinnen. Damit ist nachvollziehbar, woher ein Bild wirklich kommt, nicht nur für Menschen, sondern auch für Systeme.

Vorher, nachher, und was jetzt

Ich habe die rechtlichen Details zur Kennzeichnungspflicht – wann genau ein Bild als Deepfake gilt, welche Ausnahmen es gibt, was bei einem Verstoß droht – bereits in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Dieser Text hier ist etwas anderes: kein Ratgeber, sondern mein eigener, sehr kurzer Selbstversuch. Fünf Minuten waren genug, um festzustellen, was für mich zählt. Wie ich es in meinem LinkedIn-Post vom 2. August geschrieben habe:

Nicht: was schreibt das Gesetz vor. Sondern: wie möchtest du gesehen werden.

Ich weiß noch nicht, ob das die letzte Antwort ist, die ich auf diese Frage habe. Aber für jetzt reicht sie mir.

Wenn du magst, erzähl mir, wie du es siehst – bei einem echten Shooting, in einer Nachricht, oder unter diesem Artikel.

Logo Karina Schuh – Markenfotografin Koblenz
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