Vom Blazer-Schnitt bis zur Farbpsychologie – wie du dich auf deinen Business Portraits zeigst, wie du gesehen werden willst.

„Was soll ich anziehen?”
Das ist die Frage, die ich in jedem zweiten Vorgespräch höre. Egal, ob Unternehmerin, Beraterin, Führungskraft oder Selbstständige – sobald das Fotoshooting näher rückt, steht plötzlich der Kleiderschrank im Mittelpunkt. Und genau das verstehe ich: Dein Outfit entscheidet mit, wie du wirkst. Kompetent, nahbar, klar – oder austauschbar.
Aber die wichtigste Antwort gleich vorweg: Das beste Outfit ist nicht das schickste, sondern das, in dem du dich am souveränsten fühlst. Alles andere – Farbe, Schnitt, Stoff – ist Handwerkszeug, das diesem Gefühl dient. Wenn du dich verkleidet fühlst, sieht man das in jedem Bild. Wenn du dich erkennst, auch.
In diesem Guide bekommst du keine generischen „trag was Schickes”-Tipps, sondern konkrete Antworten auf die Fragen, die mir in der Outfit-Beratung am häufigsten gestellt werden.
Eine Geschichte aus dem Studio – warum Vorbereitung mehr ist als ein Termin
Ich erinnere mich an eine Kundin, die das Vorgespräch nicht annehmen wollte. Sie kam direkt zum Fotoshooting – mit einem Outfit, das ihr eine Konfektionsgröße zu klein war. Die Bluse spannte über den Schultern, an der Hüfte zogen Falten, die Knopfleiste öffnete sich beim Sitzen leicht. Dazu war sie geschminkt – stark geschminkt, von ihrer Tochter. Etwas, das sie im Alltag nie tat.
Wir haben das Fotoshooting durchgezogen. Ich habe versucht, mit Posen und Bildausschnitten zu retten, was geht. Aber wir wussten beide, dass das nicht der Look war, den sie sich gewünscht hatte. Im Nachhinein hat sie mir geschrieben, dass sie sich auf den Bildern nicht erkannt hat. Sie war traurig. Und ich war es auch.
Diese Geschichte trage ich seitdem in jedem Vorgespräch mit. Nicht als warnendes Beispiel, sondern als Erinnerung daran, warum Vorbereitung kein „Nice-to-have” ist, sondern der Teil meiner Arbeit, der über Wohlfühlen oder Fremdfühlen entscheidet. Es geht nicht darum, dass alles perfekt sein muss. Es geht darum, dass du auf den Bildern dich erkennst – nicht eine fremde Version von dir.
Drei Dinge, die ich aus dieser Erfahrung in meine Beratung übernommen habe:
- Passform vor allem. Das Outfit darf nicht spannen, ziehen oder zwicken. Im Zweifel: eine Nummer größer.
- Make-up wie sonst auch. Wer sich nie schminkt, soll sich nicht für die Kamera verkleiden. Authentizität ist der wichtigste Look.
- Vorgespräch nutzen. Nicht weil ich Regeln durchsetzen will – sondern damit wir beide sicher in den Fotoshooting-Tag gehen.

Warum dein Outfit mehr ist als ein Stück Stoff
Ein Business Portrait erzählt eine Geschichte – bevor du den Mund aufmachst. Dein Gesicht ist die Hauptdarstellerin, dein Outfit die Bühne. Es entscheidet, ob die Aufmerksamkeit auf dich gelenkt wird – oder von dir weg.
Drei Fragen, die wir im Vorgespräch immer klären:
- Wen sprichst du an? Premium-Kundschaft erwartet andere visuelle Codes als ein junges, kreatives Startup.
- Wie willst du wirken? Souverän? Nahbar? Mutig? Verspielt?
- Wo werden die Bilder eingesetzt? Website, LinkedIn, Pressefoto und Visitenkarte verlangen oft unterschiedliche Looks.
Wenn diese drei Fragen geklärt sind, ist „Was soll ich anziehen?” plötzlich keine Stilfrage mehr, sondern eine Strategiefrage.
Selbstständig oder angestellt? Zwei Welten, ein Ziel
Auch wenn die Grundregeln ähnlich sind: Eine Unternehmerin, die ihr Personal Branding aufbaut, hat oft andere Anforderungen als eine Führungskraft, die ein offizielles Mitarbeiterportrait braucht.
Für Unternehmerinnen und Selbstständige
Hier darfst – und sollst – du deine Persönlichkeit zeigen. Deine Marke bist du. Das heißt: Markenfarbe ins Outfit einbauen, deinen Stil sichtbar machen, mutig kombinieren. Wenn pinke Blusen zu dir gehören, dann gehören sie auch in dein Fotoshooting. Authentizität schlägt Konvention.
Für Führungskräfte und Angestellte
Hier zählt oft der Unternehmenskontext. Schau dir die bestehenden Portraits deiner Kolleg:innen an: Gibt es einen visuellen roten Faden? Klassische, gut sitzende Business-Kleidung in gedeckten Tönen ist meist die sichere Wahl. Dezente persönliche Akzente – Schmuck, eine Bluse mit Charakter, ein bestimmter Farbton – machen dich trotzdem unverwechselbar.


Farben, die wirken – und warum
Farben sind keine reine Geschmackssache, sondern ein Werkzeug. Sie beeinflussen, wie du wahrgenommen wirst.
Diese Farben funktionieren fast immer:
- Dunkelblau – wirkt vertrauenswürdig und kompetent, der Klassiker für seriöse Branchen
- Smaragdgrün – souverän und modern, fällt positiv auf
- Bordeaux und Weinrot – warm, kraftvoll, edel
- Camel, Beige, warmes Grau – zurückhaltend, hochwertig, zeitlos
- Pastelltöne (Rosé, Salbei, Hellblau) – weich und freundlich, ideal für nahbare Markenbilder
Was du mit Vorsicht einsetzen solltest:
- Reines Weiß lässt das Gesicht schnell blass wirken – kombiniere lieber mit Blazer
- Tiefes Schwarz „schluckt” das Licht und nimmt dem Bild Lebendigkeit
- Knallrot, Neon und Glitzerstoffe lenken vom Gesicht ab
Mein Tipp aus der Markenberatung: Wenn du eine Markenfarbe hast, bring sie ins Outfit. Wiedererkennung entsteht über Konsistenz – und Farbe ist das schnellste Wiedererkennungsmerkmal, das wir haben.

Schnitte, Stoffe und Sitz – worauf es vor der Kamera ankommt
Was im Spiegel gut aussieht, sieht auf dem Foto nicht automatisch gut aus. Die Kamera ist gnadenlos ehrlich – aber genau deshalb möchte ich, dass du dich am Fotoshooting-Tag wohlfühlst. Wohlfühlen heißt nicht „bequem in Jogginghose”, sondern: das Outfit darf dich tragen, nicht erdrücken.
Diese Schnitte schmeicheln fast jeder Figur:
- Blazer mit leicht taillierter Linie – strukturiert die Silhouette
- Blusen mit V-Ausschnitt – streckt den Hals optisch
- Strickoberteile mit feiner Struktur – wirken hochwertig, ohne aufzutragen
- Stoffhose oder Bleistiftrock – clean und souverän
Diese Schnitte sind heikel:
- Rollkragen – stauchen den Hals und betonen das Kinn
- Ärmellose Oberteile – ziehen den Blick auf die Arme, nicht aufs Gesicht
- Tiefe Ausschnitte – wirken auf engen Crops schnell unprofessionell
- Grobe Muster (Karo, Streifen, Punkte) – flimmern auf Fotos und lenken ab
Stoffe, die immer funktionieren: Baumwolle, feine Wolle, matte Seide, Strick. Stoffe, die schwierig sind: glänzender Satin, raschelnder Polyester, knittriges Leinen.
Mehrere Looks für ein Fotoshooting – so planst du clever
Für ein professionelles Fotoshooting plane ich mit jeder Kundin mindestens zwei, oft drei Outfit-Wechsel. So bekommst du Bilder für unterschiedliche Anlässe in einer Session.
Mein bewährtes Set:
- Look 1 – „Premium”: Blazer, Bluse, dezenter Schmuck – für Website-Header, About-Seite, Visitenkarte
- Look 2 – „Nahbar”: Strickpullover oder Bluse ohne Blazer – für LinkedIn, Social Media, Blogfotos
- Look 3 – „Markenstark”: Outfit in deiner Markenfarbe, gerne mit Statement-Stück – für Kampagnen, Magazine, Storys
Bring außerdem dezenten Schmuck mit (eine schlichte Kette, kleine Ohrringe), ein zweites Paar Schuhe und – wenn du Brillenträgerin bist – wenn möglich Gläser mit guter Entspiegelung (mehr dazu hier).



Der Outfit-Check 2 Tage vor dem Fotoshooting
Das ist der wichtigste Schritt, den fast alle überspringen. Plane dir 30 Minuten ein.
- Anprobieren – alle Teile. Knöpfe, Reißverschlüsse, Sitz an Schultern und Hüfte. Spannt etwas? Dann lieber eine Nummer größer wählen.
- Bei Tageslicht fotografieren. Stell dich ans Fenster, mach Ganzkörper- und Brustbild mit dem Handy.
- Knitter, Fusseln, Flecken checken. Auf Fotos sieht man jede Falte.
- Bügeln oder dämpfen. Sieht hochwertig aus, kostet nichts.
- In den Kleidersack packen. Verknittert sonst auf der Anfahrt.
- Make-up wie immer – nicht mehr. Wer sich sonst nicht schminkt, sollte das auch nicht zum Fotoshooting tun. Du sollst dich auf den Bildern wiedererkennen, nicht verkleidet wirken.
Drei Kontrollfragen für die Selfies: Sitzt es bequem? Lenkt etwas vom Gesicht ab? Spiegelt das Outfit wider, wie ich wahrgenommen werden will?
Fazit: Wohlfühlen zuerst – dann wirkt der Rest
Deine Garderobe entscheidet nicht über deine Kompetenz – aber sie entscheidet darüber, ob deine Kompetenz auf dem Bild sichtbar wird. Wenn du dich in deinem Outfit wohlfühlst, wenn es zu deiner Markenbotschaft passt und wenn es dich tragen darf statt zu erdrücken, dann siehst du auf deinen Business Portraits genau die Person, die du im Business sein willst.
Und der schönste Nebeneffekt: Wenn das Outfit sitzt, fühlst du dich vor der Kamera sicherer. Das sieht man jedem Bild an.
📸 Damit du dich auf deinen Bildern wiedererkennst
Als BAFA-gelistete Beraterin für Sichtbarkeit und Marketing denke ich dein Fotoshooting nicht nur fotografisch, sondern markenstrategisch. Im Vorgespräch klären wir gemeinsam, welche Farben zu deiner Marke gehören, welche Looks du für welche Kanäle brauchst und worauf du bei deinem Outfit achten solltest. Damit du am Fotoshooting-Tag entspannt vor der Kamera stehst – in einem Outfit, das du tragen kannst, statt eines, das dich trägt.
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Du suchst die gleichen Tipps für deinen Partner, Kollegen oder dein ganzes Team? Hier geht’s zum Pendant-Artikel: Garderobe für Männer beim Business Fotoshooting

Häufig gestellte Fragen zur Garderobe für Business Fotoshootings
Klassische, gut sitzende Kleidung in gedeckten Farben – Blazer, Blusen, Stoffhose oder Bleistiftrock. Wähle Stoffe wie Baumwolle, feine Wolle oder Strick und vermeide glänzende Materialien sowie wilde Muster. Wichtigster Grundsatz: Trag etwas, in dem du dich wohlfühlst – das siehst du jedem Bild an.
Dunkelblau, Smaragdgrün, Bordeaux, Camel und gedeckte Pastelltöne wirken professionell und schmeicheln fast jedem Hautton. Reines Schwarz und Weiß sind tückisch – besser in Kombination mit Blazer oder Bluse einsetzen. Wenn du eine Markenfarbe hast, bring sie ins Outfit.
Heikel sind Glanzstoffe (sie reflektieren stark), Rollkragen (stauchen den Hals), ärmellose Tops, grelle Farben, große Logos und unruhige Muster. Auch sehr enge oder schlecht sitzende Teile wirken auf Fotos schnell unvorteilhaft.
Ja, unbedingt. Mit zwei bis drei Outfit-Wechseln bekommst du Bilder für verschiedene Einsatzzwecke: Website, LinkedIn, Pressefotos. Plane einen klassischen Premium-Look, einen nahbaren Alltagslook und – wenn möglich – einen Look in deiner Markenfarbe.
Beim Personal Branding darfst du persönlicher und mutiger sein – Markenfarbe, Statement-Schmuck, dein typischer Stil gehören dazu. Bei klassischen Business Portraits im Unternehmenskontext orientierst du dich am visuellen roten Faden deines Teams und setzt auf gedeckte, klassische Kombinationen.
Probiere zwei Tage vorher alle Outfits an, mache Testfotos bei Tageslicht und prüfe Sitz, Fusseln und Knitterfalten. Bügle oder dämpfe die Teile, packe sie in einen Kleidersack und bring sie zum Fotoshooting mit – so hast du am Tag selbst maximale Flexibilität.



